Schüler*inneneindrücke aus der Extremismusprävention
Es folgen Berichte von Schülerinnen aus der achten und der neunten Jahrgangsstufe zu den jeweiligen Extremismuspräventionen:
Zum Thema Islamismus
Vor dem Workshop war meine Verbindung zum Thema Islamismus die großen Anschläge (9/11). Neu waren für mich die Prediger in den sozialen Medien. Wir haben uns damit beschäftigt, wie man diese erkennt, was sie machen, um junge Menschen zu überzeugen und was sie für sinnfreie und menschenfeindliche Antworten geben. Wir haben gelernt, was Islamismus ist und wie man ihn vom Islam trennt. Besonders interessant fand ich auch die unterschiedlichen Bedeutungen der Wörter, die sowohl im Islam als auch im Islamismus benutzt werden. Wie bspw. Dschihad, was im Islam der Einsatz auf dem Weg Gottes bedeutet. Im Islamismus hingegen wird er als „heiliger Krieg“ gegen die „Ungläubigen“ verwendet. Islamisten begründen ihre Gewalt mit dem Koran. Sie „verdrehen“ die ursprüngliche Bedeutung.
Als ich an dem Tag in der Schule ankam, wusste ich nicht, was mich erwartet. Ich war nicht sehr über das Thema informiert und wusste nicht einmal richtig, was Islamismus ist. Als wir den Workshop beendet hatten, wusste ich schon deutlich mehr über dieses Thema. Es wurde uns erklärt, dass Islamismus als Ideologie und der Islam als Religion nichts gemeinsam haben. Das wurde uns durch die Erzählung des Lehrers über die Begegnungen mit Islamisten deutlich gemacht. Ich fand die Weise, wie uns dieses Thema erklärt wurde, sehr interessant. Der Workshop war auch sehr wichtig, weil man mit der Fähigkeit Islamismus zu erkennen, dagegen vorgehen kann. Außerdem lernt man Islamisten von Leuten des islamischen Glaubens, die nichts mit dem Islamismus zu tun haben, zu unterscheiden und gegen den Hass und Vorurteil, mit denen vieler dieser Leute zu kämpfen haben, anzukämpfen.
- Carlotta Quiring und Anna Krieger für die Jahrgangsstufe 8
Zum Thema Rechtsextremismus
Unsere Schule organisierte wie jedes Jahr einen Workshop im Bereich des Extremismus. Die Themen dieser Workshops variieren je nach Jahrgängen und sind darauf ausgelegt, auch im Unterricht wieder aufgegriffen zu werden. Die neunten Klassen beschäftigten sich dieses Jahr mit dem Thema Rechtsextremismus und ich freue mich sehr etwas darüber berichten zu dürfen.
Ein Thema, welches im Moment wieder stärker denn je aufkommt, ist der Rechtsextremismus. Die sozialen Medien werden nahezu mit Extremismus kritisierenden Inhalten gesprengt, wobei viele weder eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema noch eine genaue Vorstellung davon haben. Damit nicht auch wir auf den falschen Weg geraten oder falsche Vorstellungen vom Rechtsextremismus haben, klärte die Schule auf. Zwei Mitarbeitende des NS-Dokumentationszentrums kamen in unsere Klasse und führten den Workshop mit uns durch.
Als erstes fand ein Austausch statt, wobei klar wurde, dass so gut wie keiner sich bisher vollständig mit dem Thema beschäftigt hatte, also gab es eine kurze Erklärung und dann ging es auch schon los. Mit einem Blatt, auf dem Bingo Felder abgebildet waren, gingen wir zu unseren Mitschülerinnen und Mitschülern und schrieben deren Name darunter, wenn die Aussage zutraf. Einerseits ging es um Familie und Vorlieben und andererseits darum, ob der Anschlag in Halle jemandem etwas sagt oder man drei schwarze Autoren nennen könnte. Diese Fragen waren weitaus schwieriger zu beantworten und ich persönlich fand es erschreckend im Nachgang Genaueres zu erfahren. Es ist ekelerregend, dass Menschen auf Grund ihrer Nationalität, Religion oder Sexualität benachteiligt und sogar schwer verletzt werden.
Wir setzten uns mit realen Fallbeispielen auseinander, wie der Widmung einer Straße im Falle des Doppelmordes 1980 an Shlomo Lewin und Frida Poeschke. Uns erstaunte das Beispiel von einseitiger Polizeiarbeit, wie sie insbesondere in diesem Fall vorkam und die Ignoranz gegenüber jüdischen Gemeinden, welche durch diesen Fall wieder in die lang bestehende Angst zurückversetzt wurden.
Nach erneutem Austausch wurde ein kleines Spiel veranstaltet. Eine Seite des Raumes stand für „Ja“ und die andere für „Nein“. Die Mitte war hierbei der neutrale Part. Wir bekamen Aussagen oder Fragen gestellt, welche wir durch unsere Position beantworteten. „Kommt thematisierter Rechtsextremismus oft auf eure for you?“ oder „Besorgt euch das Thema?“. Wir sprachen offen über unsere Ängste und gingen sogar einen Schritt weiter, als wir über unsere Fehler sprachen. Wann war ich mal diskriminierend? Welche Rollenbilder sind in meinem Kopf, obwohl ich weiß, dass diese nicht angemessen sind?
Die Gesellschaft, in der wir aufwachsen und uns entwickeln, ist von Vorurteilen geprägt, doch das heißt nicht, dass wir diese weitergeben müssen. Nur wenn wir uns alle auch mit den unschönen Seiten unserer Welt beschäftigen, können wir unsere Zukunft verändern und dafür sorgen, dass niemand mehr beispielsweise aufgrund seiner Herkunft herabgestuft wird. Die heutige Welt ist für viele ein Albtraum und vielleicht auch für euch, liebe Leserinnen und liebe Leser? Was zeichnet eine gute Welt für euch aus und wärt ihr bereit, euch auch dafür einzusetzen?
- Sophie Jung für die Jahrgangsstufe 9